Ulla Höpken

Ulla Höpken, Kirschgarten, 2013
Ulla Höpken, Kirschgarten, 2013
Ulla Höpken, Fluss morgens, 2013
Ulla Höpken, Fluss morgens, 2013

Ralph Herrmann

Ralph Herrmann, Wolkenbild, 2013
Ralph Herrmann, Wolkenbild, 2013
Ralph Herrmann, Wolkenbild, 2009
Ralph Herrmann, Wolkenbild, 2009

ZUR ARBEIT

 

 

Zu den Bildern von Ralph Herrmann

 

Das Formen des Formlosen

 

Alle Arbeiten von Ralph Herrmann, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind, haben den Himmel, die Wolken das Licht zum Thema. "Das Formen des Formlosen" seinem Werk als Titel voran gestellt, nimmt Bezug auf seine Gestaltung von Himmelslandschaften.

Herrmann koppelt die Elemente Himmel, Wolken, Licht aus der Landschaft aus und isoliert sie. In der traditionellen Landschaftsmalerei dienen diese Elemente als Träger von Stimmungen und Symbolik, die eng an den Landschaftstyp, den Ort oder das Bildthema gebunden sind. Bei Herrmann hingegen sind Licht und Wolken aus jedem zeitlichen und örtlichen Kontext herausgelöst. Sie beziehen ihre gestalterische Kraft nicht aus dem wie auch immer eingesetzten gegenständlichen Bezug oder im formalen Sinne aus der Bildkomposition, sondern allein aus der malerischen Behandlung und Wirkung von Farbe, Licht und Räumlichkeit.

Eigentlich repräsentieren diese Wolkenbilder einen Widerspruch in sich. Einerseits sind sie Momentaufnahmen unsteter, veränderlicher Erscheinungen, die dargestellten Wolken, das Licht, die Farben werden sich im nächsten Augenblick schon wieder gewandelt haben. Andererseits können die Bilder aber auch als Ausdruck ewiger, immer wiederkehrender Gesetzmäßigkeit gedeutet werden. Sie sind statisch und dynamisch, beständig und flüchtig zugleich.

Inhaltlich sind Herrmanns Bilder realistische Landschaft- oder besser Naturdarstellungen, er verzichtet jedoch auf konkrete Gegenständlichkeit, er führt uns keine landschaftlichen Sehenswürdigkeiten vor, sondern nur Immaterielles, Bewegung, Veränderlichkeit, Licht und Farbe. Ähnlich wie die Romantiker, wie Turner, Constable und die Impressionisten, stellt er die traditionelle Landschaftsmalerei in Frage.

Mehr als die Malerei scheint die heute maßgebliche Literatur das zu bestätigen, und wenn auch nur in der Gestalt eines ihrer wesentlichen Autoren. Als eine Erfindung des Unten schrieb Rolf Dieter Brinkmann Sätze über die Wolken, die in ihrer übergroßen Schärfe mehr erkennen lassen, als nur die Intensivierung der Gegenwart durch das Ferne, das Seltene, Wunderbare, Geheimnisvolle... Weit in der Ferne ziehen Wolkenschwaden in langen schleppenden Bewegungen wie Matten aus den Niederungen vor einer Bergkette her.

Prähistorische und posthistorische Landschaften, fern, in der Luft im Raum schwebend, und die Augen dringen weiter in den abenteuerlichen großen Raum ein, der menschenleer ist, zerbrechende Formen, ungehauene Formen aus Licht, ohne Wörter ohne Sprache, ohne Verbote, Stürze von Helligkeiten, fern im Raum...

1820 veröffentlichte Shelley das Gedicht:

 

The Cloud

 

"Ich bin von der Erde und dem Meer geboren Ein Pflegling der Luft, ich fliehe durch des felsigen Strandes, des Meeres Poren Ich wandele mich, sterbe nie denn wenn nach dem Regen klar und rein das Zelt des Himmels zu schaun und der fegende Wind und der Sonneschein die luftigen Dome erbaun, lache ich still meines Grabmals in blauer Luft und aus Regens Gruft kehre ich wieder"

 

Auszug aus der FAZ Nr. 257, Rainer-Michael Schaper „Wolkenbilder"

 

Himmel und Wolken erscheinen als letzte vom Menschen und seinen Eingriffen und Zerstörungen, scheinbar unberührte Natur. Diese bewusste Ausklammerung des Menschen und der Spuren seiner Tätigkeit bedeutet Kritik an unserer heutigen Zeit. Wer das Erhabene sucht, findet es nicht mehr auf der Erde. Himmel und Wolken werden zum letzten Refugium einer romantisch orientierten Naturdarstellung, die es vermeidet, Idyllisierend oder verlogen zu sein.

Denkbar ist auch, letztendlich die völlige Auslöschung durch eine akute oder die allmähliche ökologische Katastrophe.

Der Mensch hätte dann sein fatales Streben vollbracht: Er hätte sich für die Vertreibung aus dem Paradies, mit dessen Zerstörung gerächt.

Mögen diese Bilder daran erinnern, dass die Natur zwar ohne den Menschen, der Mensch aber nicht ohne die Natur existieren kann.

 

Reinhard Hellrung, Museum Gelsenkirchen